„Ich esse doch gar keinen Zucker!“

Diesen Satz höre ich tatsächlich fast jede Woche in meinen Coachings.

Und jedes Mal weiß ich: Jetzt wird es spannend.

Denn die meisten Menschen verbinden Zucker automatisch mit Schokolade, Kuchen oder Gummibärchen. Dass sich hinter einer Insulinresistenz jedoch viel mehr verbirgt, ist vielen gar nicht bewusst. Denn Insulin reagiert nicht nur auf Süßigkeiten. Auch Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln oder andere kohlenhydrathaltige Lebensmittel werden im Körper in Glukose umgewandelt und beeinflussen dadurch den Blutzucker und die Ausschüttung von Insulin. Wie stark dieser Anstieg ausfällt, hängt unter anderem von der Mahlzeitenzusammensetzung, der Portionsgröße und dem individuellen Stoffwechsel ab.

Gerade Frauen mit Hashimoto berichten häufig über Müdigkeit, Heißhunger, Gewichtszunahme oder das Gefühl, dass ihr Stoffwechsel nicht mehr richtig „rund läuft“. Diese Beschwerden können viele verschiedene Ursachen haben. In der ganzheitlichen Betrachtungsweise, wie ich sie in meiner Ausbildung kennengelernt habe, lohnt es sich deshalb, neben der Schilddrüse auch den Insulinstoffwechsel genauer anzuschauen.

Was macht Insulin eigentlich?

Insulin ist eines der wichtigsten Stoffwechselhormone unseres Körpers. Es wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet und übernimmt die Aufgabe, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Vereinfacht gesagt unterstützt es insbesondere Muskel- und Fettzellen dabei, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Dort kann sie zur Energiegewinnung genutzt oder gespeichert werden. Darüber hinaus übernimmt Insulin viele weitere Aufgaben im Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel.

Solange dieser Regelkreis gut funktioniert, bleibt unser Blutzucker in einem gesunden Gleichgewicht und die Körperzellen werden zuverlässig mit Energie versorgt.

Was passiert bei einer Insulinresistenz?

Von einer Insulinresistenz spricht man, wenn Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin reagieren. Um diesen Widerstand auszugleichen, schüttet die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin aus. Das kann über viele Jahre funktionieren, sodass die Blutzuckerwerte zunächst noch völlig unauffällig erscheinen.

Aus ganzheitlicher Sicht beginnt die Stoffwechselveränderung deshalb häufig schon lange, bevor ein erhöhter Blutzucker festgestellt wird. Genau darin liegt die Herausforderung: Viele Menschen fühlen sich bereits nicht mehr leistungsfähig, obwohl Standardlaborwerte noch im Normbereich liegen.

Welche Beschwerden können auftreten?

Eine Insulinresistenz entwickelt sich meist schleichend. Deshalb werden erste Veränderungen häufig dem stressigen Alltag oder den Wechseljahren zugeschrieben.

Mögliche Hinweise können unter anderem sein:

  • Müdigkeit oder Energielosigkeit nach den Mahlzeiten
  • Heißhunger auf Süßes oder häufiges Snacken
  • Konzentrationsprobleme oder Brain Fog
  • Schwierigkeiten beim Abnehmen
  • zunehmendes Bauchfett
  • Leistungstiefs am Nachmittag
  • das Gefühl, nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten besonders erschöpft zu sein

Diese Beschwerden können selbstverständlich auch andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnosestellung. Sie können jedoch Anlass sein, den eigenen Stoffwechsel genauer betrachten zu lassen.

Warum spielt dieses Thema bei Hashimoto eine Rolle?

In meiner Arbeit begegnen mir viele Frauen, die trotz einer Behandlung ihrer Schilddrüse weiterhin unter Erschöpfung, Gewichtszunahme oder Heißhunger leiden. Genau deshalb schaue ich im Coaching nie ausschließlich auf die Schilddrüse.

Nach dem ganzheitlichen Verständnis, das ich in meiner Ausbildung erlernt habe, beeinflussen sich Hormonsysteme gegenseitig. Deshalb kann es sinnvoll sein, den Stoffwechsel insgesamt zu betrachten und mögliche Zusammenhänge zwischen Schilddrüse, Insulin, Stress und Lebensstil mit einzubeziehen.

Mir ist dabei wichtig zu betonen: Nicht jede Frau mit Hashimoto hat automatisch eine Insulinresistenz. Gleichzeitig lohnt es sich aus meiner Erfahrung häufig, diesen Bereich nicht außer Acht zu lassen.

Interessant: Insulinresistenz ist ursprünglich ein sinnvoller Mechanismus

Was viele überrascht: Eine verminderte Insulinempfindlichkeit ist nicht grundsätzlich etwas Krankhaftes.

In meiner Ausbildung zum Physiologischen ErnährungsCoach bei meinem Ausbilder, Mentor und Heilpraktiker Markus Grimm habe ich gelernt, dass unser Körper in bestimmten Situationen vorübergehend insulinresistent werden kann – beispielsweise bei intensiver körperlicher Belastung, während einer Schwangerschaft oder bei Infektionen. In diesen Situationen dient dieser Mechanismus dazu, Energie dort bereitzustellen, wo sie gerade besonders benötigt wird. Problematisch wird er erst dann, wenn dieser Zustand dauerhaft bestehen bleibt.

Diese Betrachtungsweise hilft zu verstehen, dass unser Körper grundsätzlich immer versucht, sich an Belastungen anzupassen.

Übrigens: Immer wieder werde ich gefragt, wo ich dieses Wissen gelernt habe. Wenn dich die Ausbildung zur physiologischen Ernährungscoachin interessiert oder du mehr darüber erfahren möchtest, melde dich gerne bei mir. Ich erzähle dir von Herzen gerne von meinen eigenen Erfahrungen.

Was kannst du selbst tun?

Die gute Nachricht ist: Unser Stoffwechsel ist anpassungsfähig.

Schon kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, den Körper zu unterstützen. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, ein bewusster Umgang mit Stress sowie eine Ernährung, die den individuellen Stoffwechsel berücksichtigt. Auch längere Essenspausen oder eine Reduzierung stark verarbeiteter Lebensmittel werden im ganzheitlichen Ansatz häufig als hilfreiche Maßnahmen betrachtet. Welche Schritte sinnvoll sind, hängt jedoch immer von der persönlichen Situation ab.

Aus meiner Sicht geht es dabei nicht um Verbote oder darum, einzelne Lebensmittel zu verteufeln. Viel wichtiger ist es, den eigenen Körper wieder besser zu verstehen und herauszufinden, was ihm langfristig guttut.

Mein Fazit

Insulin ist nicht unser Gegner. Im Gegenteil – es ist ein sehr wichtiges Hormon, das täglich dafür sorgt, dass unser Stoffwechsel reibungslos funktioniert.

Wenn wir beginnen zu verstehen, welche Rolle Insulin im Körper spielt, können wir viele Beschwerden in einem größeren Zusammenhang betrachten. Gerade bei Hashimoto lohnt es sich deshalb, den Blick nicht ausschließlich auf die Schilddrüse zu richten, sondern den gesamten Stoffwechsel mit einzubeziehen.

Denn Gesundheit entsteht selten durch die Betrachtung eines einzelnen Organs. Oft sind es die vielen kleinen Zahnräder, die ineinandergreifen – und genau darin liegt für mich der ganzheitliche Blick auf den Menschen.