Du kannst einen Termin aus deinem Kalender streichen. Aber kannst du auch die Anspannung aus deinem Körper streichen?

Manchmal denke ich, wir haben uns erstaunlich gut darin eingerichtet, über unsere eigenen Grenzen hinwegzugehen. Wir funktionieren, kümmern uns, organisieren. Und wenn die Energie nicht mehr reicht, versuchen wir, noch etwas besser zu machen. Mehr Schlaf. Gesünder essen. Ein neues Nahrungsergänzungsmittel. Vielleicht noch eine Morgenroutine. Gerade Frauen mit Hashimoto kennen dieses Gefühl: Ich tue doch schon so viel für meine Gesundheit. Warum fühle ich mich trotzdem nicht richtig gut?

Was mich dabei beschäftigt, ist eine ganz andere Frage:

Wie viel muss dein Körper eigentlich jeden Tag ausgleichen, damit du dein gewohntes Leben weiterführen kannst?

Dein Stress ist nicht nur das, was in deinem Kalender steht

Ein voller Terminkalender kann anstrengend sein. Aber Stress entsteht nicht ausschließlich durch zu viele Aufgaben. Manchmal sind es die Gedanken, die nicht aufhören. Die Verantwortung für andere. Das Gefühl, niemanden enttäuschen zu dürfen. Oder dieser innere Anspruch, alles im Griff haben zu müssen.

Äußerlich sieht der Tag vielleicht gar nicht besonders anstrengend aus. Innerlich kommt dein System trotzdem kaum zur Ruhe.

Unser Körper reagiert auf Belastung unter anderem mit den Stresshormonen Adrenalin und Cortisol. Sie helfen uns, aufmerksam zu bleiben und Energie zur Verfügung zu stellen. Das ist zunächst etwas ausgesprochen Sinnvolles. Schwierig kann es werden, wenn zwischen Anspannung und Erholung kaum noch ein Wechsel stattfindet. Denn unser Organismus ist auf Rhythmus angewiesen: auf Aktivität und Ruhe, Energieverbrauch und Versorgung, Anspannung und Regeneration. Und genau hier wird es für Frauen mit Hashimoto besonders interessant.

Deine Schilddrüse arbeitet nicht allein

Die Schilddrüse ist eng mit unserem Stoffwechsel verbunden. Ihre Hormone beeinflussen unter anderem Energieumsatz, Wärmeproduktion, Herzfrequenz und zahlreiche Stoffwechselprozesse. Aber Schilddrüsenhormone arbeiten nicht unabhängig vom restlichen Körper.

Wenn du beispielsweise Levothyroxin einnimmst, muss das Medikament zunächst im Verdauungstrakt aufgenommen werden. Bestimmte Lebensmittel, Kaffee, Mineralstoffpräparate und Medikamente können die Aufnahme beeinflussen, wenn die Einnahmeabstände nicht passen. Anschließend kommt ein weiterer Schritt hinzu: Das überwiegend eingenommene T4 wird in verschiedenen Geweben durch spezielle Enzyme teilweise in das stoffwechselaktivere T3 umgewandelt. Daran sind unter anderem Leber, Darm und weitere Gewebe beteiligt.

Dein Schilddrüsenstoffwechsel endet also nicht an deiner Schilddrüse.

Auch schwere Erkrankungen und ausgeprägte körperliche Belastung können den Schilddrüsenhormonstoffwechsel verändern. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede alltägliche Stressphase automatisch eine Umwandlungsstörung verursacht. Mir ist deshalb wichtig, Laborwerte, Beschwerden, Ernährung, Medikamenteneinnahme und die persönliche Lebenssituation nicht völlig getrennt zu betrachten. Und auch nicht jede anhaltende Erschöpfung automatisch dem Hashimoto zuzuschreiben.

Und was hat dein Mittagessen damit zu tun?

Mehr, als du vielleicht denkst. Stell dir vor, du startest morgens mit einem Kaffee, weil die Zeit für ein richtiges Frühstück fehlt. Mittags wird es hektisch. Du isst schnell etwas nebenbei oder verschiebst die Mahlzeit. Am Nachmittag meldet sich der Hunger. Du brauchst jetzt etwas, das sofort Energie liefert. Vielleicht etwas Süßes, vielleicht den nächsten Kaffee. Am Abend bist du vollkommen erledigt und wunderst dich, warum du ausgerechnet jetzt nicht richtig abschalten kannst. Natürlich läuft nicht jeder Tag so. Aber vielleicht erkennst du etwas davon wieder.

Unter Stress kann sich unser Essverhalten verändern. Manche Frauen vergessen regelrecht zu essen. Andere verspüren häufiger Appetit auf schnell verfügbare Energie. Und dann kommt häufig noch ein schlechtes Gewissen hinzu. Dabei lohnt es sich viel mehr zu verstehen, warum dein Körper gerade nach Energie verlangt, statt das nächste Verbot aufzustellen.

Regelmäßige, ausreichend sättigende Mahlzeiten können helfen, den Körper verlässlich zu versorgen und starke Hungerphasen zu vermeiden. Für mich gehören dazu gut verträgliche Eiweißquellen, wertvolle Fette, Gemüse und eine individuell passende Menge an Kohlenhydraten. Denn nicht jede Frau hat denselben Energiebedarf, dieselbe Verdauung oder dieselbe Stoffwechselsituation.

Du kannst gesund essen und trotzdem zu wenig bekommen

Das ist ein Punkt, den ich in meiner Arbeit immer wieder mitdenke. Wir sprechen unglaublich viel darüber, welche Lebensmittel gesund oder ungesund sind. Aber was passiert eigentlich nach dem Essen? Kannst du deine Mahlzeiten gut verdauen? Gibt es ständig Blähungen oder Völlegefühl? Werden wichtige Nährstoffe ausreichend aufgenommen? Und passt die Menge, die du isst, überhaupt zu deinem tatsächlichen Bedarf?

Wer dauerhaft zu wenig isst, Mahlzeiten ständig ausfallen lässt oder immer mehr Lebensmittel streicht, kann es schwerer haben, genügend Energie und Nährstoffe aufzunehmen. Das ist gerade dann ungünstig, wenn ohnehin Erschöpfung und geringe Belastbarkeit im Vordergrund stehen. Gleichzeitig können auch Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder bestimmte Nährstoffmängel Beschwerden verursachen oder verstärken.

Deshalb finde ich die Frage „Was darf ich bei Hashimoto nicht mehr essen?“ oft viel weniger hilfreich als:

„Wie kann ich meinen Körper wieder gut und zuverlässig versorgen?“

Wenn aus gesunder Ernährung die nächste Belastung wird

Vielleicht kennst du diese Gedanken: War das jetzt zu viel Kohlenhydrat? Sollte ich Gluten weglassen? Darf ich abends noch essen? Brauche ich mehr Eiweiß? Welche Supplemente fehlen noch? Es gibt so viele Empfehlungen, dass gesunde Ernährung irgendwann selbst zum Stressfaktor werden kann.

Dabei brauchen wir nicht immer noch mehr Regeln.

Manchmal brauchen wir zunächst wieder Vertrauen in unseren Körper und eine klare Struktur, die sich tatsächlich umsetzen lässt. Das kann ganz unspektakulär aussehen: in Ruhe essen, ausreichend große Mahlzeiten zusammenstellen, auf Verträglichkeiten achten, echte Pausen einplanen und wieder wahrnehmen, wann der Körper Hunger, Sättigung oder Erschöpfung signalisiert. Ein individueller Ernährungsplan kann dabei Orientierung geben. Er ist aber kein Ersatz dafür, die tatsächlichen Ursachen von Dauerstress zu verändern.

Vielleicht ist deine wichtigste Aufgabe gerade keine weitere Aufgabe

Wenn du dich seit Monaten erschöpft fühlst, möchte ich dir deshalb einen Gedanken mitgeben: Du musst nicht erst noch disziplinierter werden, um gut für dich zu sorgen. Vielleicht lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen:

Wo verbrauchst du täglich besonders viel Energie? Wo versorgst du dich nicht ausreichend? Wo fehlt Erholung? Welche Beschwerden könnten mit deiner Schilddrüsensituation zusammenhängen – und welche haben möglicherweise andere Ursachen?

Anhaltende oder zunehmende Erschöpfung gehört auch medizinisch abgeklärt, gerade wenn du bereits Schilddrüsenhormone einnimmst. Dein Körper ist keine Maschine, die du nur richtig einstellen musst. Er ist ein lebendiges System, das auf deine Lebensumstände reagiert. Und manchmal beginnt Veränderung nicht damit, dass du noch etwas hinzufügst. Sondern damit, dass du endlich erkennst, was gerade zu viel ist.

Wenn du deinen Körper besser verstehen möchtest

Genau diese Zusammenhänge möchte ich dir in meiner kostenlosen Masterclass „5 Tage Hashimoto Klarheit“näherbringen. Vom 2. bis 6. November 2026, täglich um 10 Uhr live auf Zoom, sprechen wir über Schilddrüse, Laborwerte, Stoffwechsel, Verdauung, Hormone und Regeneration. Mein Wunsch ist, dass du nicht mit zwanzig neuen To-dos nach Hause gehst, sondern mit einem besseren Verständnis dafür, wo es sich bei dir lohnt, genauer hinzuschauen.

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Alles Liebe
Anna Baron
Ernährungsberatung für Frauen mit Hashimoto